Pädagogik

 Die Pädagogik von Emmi Pikler

Auch neuere Erkenntnisse der Hirnforschung und Medizin bestätigen, wovon die Kinderärztin Emmi Pikler schon in den 1930er Jahren ausging:

Junge Kinder benötigen nicht die Anregung und Anleitung eines Erwachsenen um spielen, lernen und entdecken und somit Erfahrungen sammeSpielgruppe2_dorisheinrich©-10ln zu können. Eine unabdingbare Voraussetzung ist allerdings eine vertrauensvolle Beziehung zur Bezugsperson, die das Kind insbesondere in den Pflegehandlungen (Wickeln, Essen, Anziehen..) erfährt und eine dem Entwicklungsalter entsprechend vorbereitete Umgebung.

 

 

Autonome Bewegungsentwicklung

Junge und gesunde Kinder benötigen keinerlei Anregung und Unterstützung einer erwachsenen Person, um von der Ausgangsposition, dem Liegen am Rücken, über viele verschiedene Zwischenpositionen und –bewegungen letztlich ins IMG_01_2Stehen und ins freie Gehen zu gelangen.

Ein Kind kann mit 10 Monaten seine ersten selbständigen Schritte machen, es kann sich aber auch bis zum 20. Monat damit Zeit lassen.  Die Bandbreite ist hierbei groß. Das Kind lernt durch die autonome Bewegungsentwicklung sich selbst gut einzuschätzen und Unfälle können dadurch vermieden oder reduziert werden. Das Kind entwickelt ein echtes Selbstbewusstsein und ist somit innerlich und äußerlich im Gleichgewicht.

 

 

Freies Spiel

Das freie, selbst initiierte Spiel ist die beste Möglichkeit für das Kind, die Gesetze der Welt zu erfassen und mit sich selbst in Beziehung zu bringen. Außerdem ermöglicht das freie Spiel dem Kind, sich selbst zu regulieren. Niemand kann ihm dieses forschende Spiel beibringen. Spielgruppe2_dorisheinrich©-15Die Aufgabe des Erwachsenen ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Kind spielen kann.

Die Spielmaterialien bieten viele Verwendungsmöglichkeiten und unterstützen den Einfallsreichtum des Kindes, wie z.B. Bälle, Tücher, Körbe, Ringe… – teilweise gar keine „Spielsachen“ im klassischen Sinn (aber „Sachen zum Spielen“).

Durch das freie Spiel übt das Kind Ausdauer, das Zurechtkommen mit kleineren Schwierigkeiten, eigene Lösungen suchen und finden. Es findet Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und entdeckt seine Selbstwirksamkeit.

 

 

Beziehungsvolle Pflege

Pflegezeiten (Wickeln, Hände waschen,  Essen, …) haben in der Pikler-Pädagogik eine zentrale Bedeutung. Wenn es gelingt, dass während der Pflege die Bezugsperson mit der ungeteilten Aufmerksamkeit beim Kind sein kann und keine Ablenkungen oder andere Störungen erfolgen, ist diese exklusive Zeit für das Kind ein „emotionales Auftanken“, so IMG_1092_3dass es danach wieder gestärkt für neue Spiel- und Bewegungserfahrungen ist.

 

 

 

 

Führung in sozialen Lernprozessen

Im Spiel und in der Bewegungsentwicklung treten wir Erwachsenen dem Kind möglichst erwartungsfrei gegenüber.

Im sozialen Miteinander trifft das junge Kind mit der fortschreitenden Mobilität und dem wachsenden Autonomiebedürfnis auf eine Fülle neuer Verhaltenserwartungen der Erwachsenen. Es ist hilfreich, wenn die Eltern möglichst klare Entscheidungen treffen.
Durch freundliche, verlässliche und klare Richtungsweisung bekommt das Kind eine entsprechende Orientierung, welche Erwartungen an es gestellt werden. Vertrauen in das kJause-IMG_2603ooperative Kind, Geduld sowie eine unterschiedliche Gewichtung der Erwartungen ermöglichen ein konfliktarmes Zusammenleben.
Beispiel: Das Kind hat gegessen und beginnt mit dem Essen herumzuspielen bzw. es auf den Boden zu werfen. Die Bezugsperson sagt sinngemäß freundlich aber bestimmt: „Ich glaube du hast keinen Hunger mehr, ich werde deinen Teller dann wegräumen. Ich mag es nicht, wenn du das Essen auf den Boden wirfst.“  Sie wartet, ob das Kind noch etwas isst, wenn nicht, räumt sie den Teller weg.